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Ad-hoc-Stichprobe

"Ad hoc" ist lateinisch und bedeutet "für dieses". Im deutschen wird es benutzt im Sinne von "nur für den vorliegenden Fall", "eigens zu diesem Zweck", manchmal auch (wenn auch nicht ganz korrekt) im Sinne von "aus dem Stegreif" oder "provisorisch".

Eine Ad-hoc-Stichprobe ist eine Stichprobe, bei der weder eine zufällige Auswahl aus einer Grundgesamtheit (Randomisierung), noch eine andere methodengeleitete Auswahl von Studienteilnehmern stattfindet. Stattdessen werden die Personen, die gerade umständehalber zur Verfügung stehen, als Stichprobe genommen (z.B. die Patienten, die gerade im Krankenhaus sind, oder die Schüler einer Physiotherapieschule, die gerade in der Ausbildung sind). Ad-hoc-Stichproben heißen im Englischen "samples of convenience", was mit "Bequemlichkeitsstichprobe" übersetzt werden kann und treffender erscheint.

Das methodologische Problem von Ad-hoc-Stichproben liegt darin, dass man ihre Ergebnisse nur schwierig verallgemeinern kann. So sind z.B. die Ergebnisse einer Studie zum Erfolg einer Operations- bzw. Rehabilitationsmethode, die nur in einer Klinik stattfand, eben immer von vielen Ergebnissen mit beeinflusst, die in dieser Konstellation nur für diese Klinik gelten, angefangen z.B. bei OPs von den Fertigkeiten der Operateure, von der Qualifikation des Personals in der Nachbehandlung (Pflege, Ärzte, Therapeuten), von der Zugewandtheit des gesamten Personals zu den Patienten usw. usw.; es ist nicht gesagt, dass die gleiche Methode in einer anderen Klinik zu den gleichen Ergebnissen führen würde.

Ad-hoc-Stichproben erfordern daher die Definition einer Grundgesamtheit im Nachhinein aus den Daten bzw. Eigenschaften der Personen in der Stichprobe. Und nur für auf diese fiktive Grundgesamtheit wären die Ergebnisse ggf. übertragbar. Diese Problematik betrifft im positiven wie im negativen einen großen Teil der klinischen Forschung in der Medizin wie auch in der Physiotherapie. Ein methodischer Ansatz zur Lösung des Problems ist die Durchführung von Multi-Centre-Studien.

Literatur:

  • Bortz J., Döring N. (2002) "Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler". Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York; S. 400-406

 

siehe auch: Grundgesamtheit, klinische Studie, Randomisierung, Stichprobe, Multicentre-Studie

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