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Diplom

In Deutschland ist ein Diplom (noch) ein an einer Fachhochschule oder Universität zu erreichender akademischer Grad. Durch die Bezeichnung Diplom (im Gegensatz zum Magister-Abschluss) sollte zudem die Orientierung auf eine Berufsqualifizierung hervorgehoben werden.

Im Zuge der Umsetzung der "Erklärung von Bologna" von 1999, einer von 29 europäischen Ländern (auch von Deutschland) unterzeichneten Vereinbarung, wird in Deutschland die schnelle Ablösung der Diplomstudiengänge durch das gestufte System Bachelor-Masters-Doctor angestrebt. Damit sollen deutsche Abschlüsse international kompatibel werden. Im Ausland ist ein Diplom nämlich meist kein akademischer Grad. So sind z.B. die Akademien in Österreich, an denen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ausgebildet werden, keine Hochschulen; auch die Schweizer Schulen für Physiotherapie sind keine Hochschulen, vergeben aber ein Diplom.

In Großbritannien kann man Diplome an der Hochschule erreichen, doch sind diese keine akademischen Grade, sondern Nachweise über den erfolgreichen Abschluss postgradualer akademischer Weiterbildungen (z.B. in Kunsttherapie, aufbauend auf einem Bachelor in Psychologie oder in Manualtherapie, aufbauend auf dem Bachelor in Physiotherapie). Auch in den Niederlanden gibt es, trotz fälschlich vorherrschender Auffassung, keine Diplom-Physiotherapeuten. Die Ausbildung an den Hogescholen (zwar wörtlich "Hochschulen", die aber im niederländischen System keinen akademischen Status haben), somit eher den österreichischen Akademien zu vergleichen waren) führte zum Abschluss "baccalaureat".

Im Zuge der Umsetzung der "Erklärung von Bologna" wurde auch in den Niederlanden das Bachelor-Masters-System eingeführt. Dabei wird der Bachelor, der im Rahmen von niederländischen Physiotherapieausbildungen vergeben wird, aber immer noch nicht als "wissenschaftliche Ausbildung" betrachtet, die weiterhin nur an den Universitäten stattfindet. Entsprechend wird nur dort der Zusatz "of Arts" oder "of Science", vergeben.

Damit ist die Komplexität des Themas noch nicht zu Ende. In den EU-Richtlinien, die auf die Einführung von Verfahren zur gegenseitigen Anerkennung von Abschlüssen bzw. zur Überprüfung von Abschlüssen auf Gleichwertigkeit abzielen, ist allgemein von "Diplomen" die Rede; in diesem Zusammenhang bedeutet Diplom aber allgemein ein Abschlusszeugnis nach einer mind. dreijährigen berufsqualifizierenden Ausbildung an einer höheren Bildungseinrichtung. In den Geltungsbereich dieser Richtlinien wurde die deutsche Physiotherapie-Ausbildung mit aufgenommen. In diesem Sinne sind auch alle deutschen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten "diplomiert", aber eben nur in diesem Sinne, nicht im Sinne eines von einer Hochschule verliehenen akademischen Grades.

In Deutschland werden Diplom-Studiengänge eigentlich nicht mehr aufgelegt. Der Abschluss ist veraltet, und soll bis 2010 ganz abgeschafft werden.

Ziel muss daher auch in unseren Berufen die Einführung von Bachelor-Studiengängen sein, deren Abschlüsse wenigstens grosso modo kompatibel sind mit den Ausbildungsanforderungen, die in den für die Entwicklung der Physiotherapie relevanten Ländern an die berufliche Erstqualifikation geknüpft werden.

Weitere Informationen im Internet:

 

 

siehe auch: Bachelor, Physiotherapeutin

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