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Einzelfallanalyse

Unter einer Einzelfallanalyse versteht man ein Studiendesign, dass einerseits in einer experimentell-quantitativen Tradition bzw. Denkweise steht, andererseits sich aber auf den Verlauf und die Evaluation

Während aber experimentelle Studien in der medizinischen bzw. therapeutischen Forschung Gruppenstudien sind, werden - wie der Name schon sagt - bei Einzelfallanalysen die Baseline und Outcome-Messungen lediglich an einer Versuchsperson vorgenommen (bzw. im Falle von Einzelfallserien auch an mehreren, wobei die Werte jedoch nicht zu Gruppenwerten aggregiert (zusammengefasst) werden).

Domholdt (2000) sieht in der Methodik der Einzelfallanalyse (single system design) neben dem qualitativen und dem quantitativ-experimentellen sogar ein drittes Forschungsparadigma begründet, was aber wohl eine sehr weit gehende Einordnung ist.
Die Grundidee hinter Einzelfallanalysen, die nicht mit Fallstudien oder Fallberichten (Kasuistiken) verwechselt werden dürfen, besteht darin, dass während sog. Baseline-Phasen "A" eine Reihe von Messungen der interessierenden Parameter durchgeführt werden, z.B. bzgl. der funktionellen Unabhängigkeit oder der maximalen Gehstrecke von Patienten, um sichere Basisdaten zu erhalten. Nun folgt eine Interventionsphase "B", während der die zu evaluierende Therapie erfolgt. Nach einer Interventionsphase folgt meist eine zweite Basis- bzw. interventionsfreie Phase.

Von diesem Grundmuster, bei dem die Versuchsperson in den Basisphasen als ihre eigene Kontrolle fungiert (d.h. die Messwerte während der Basisphasen kontrollieren den Effekt, der während der Interventionsphasen gemessen wurden), sind zahlreiche Varianten denkbar.

Zu Einzelfallanalysen gehören eigene statistische Auswertungsverfahren.

Der experimentelle Charakter von Einzelfallanalysen ist nicht unumstritten. Dem Vorteil der individuelleren Gestaltbarkeit des Studienprotokolls und der klareren Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse im Hinblick auf die Charakteristika der Versuchsperson stehen Probleme bei der Sicherstellung der internen und externen Validität gegenüber.

Literatur

  • Domholdt E. (2000) "Physical Therapy Research. Principles and Applications". Verlag W.B. Saunders, Philadelphia, London, Toronto
  • Scherfer E. (2003) "Fallberichte und Einzelfallanalysen". Zeitschrift für Physiotherapeuten, 55. Jg., Nr. 6, S. 992-997

 

siehe auch: klinische Studie, Experiment, qualitative Forschung, quantitative Forschung, Fallbericht, Fallstudie

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