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Evidenzbasierte Praxis (EBP)

In der Medizin unter Führung des Teams um David L Sackett, McMaster-University, Hamilton, Kanada, entstandene Bewegung. Als geistiger Vater ist auch der britische Epidemiologe Archie Cochrane zu nennen, dessen Klassiker von 1971 heute noch aktuell und lesenswert (und mit skurrilem Humor gewürzt) ist.

Evidenzbasierte Medizin hat zum Ziel, den Grundgedanken in der Praxis zu verankern, dass jede Entscheidung über Diagnose oder Therapie auf der besten vorhandenen externen Evidenz einerseits und andererseits auf der individuellen klinischen Expertise des Klinikers und abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten erfolgen sollte.

Die Logik und die Prinzipien der Evidenzbasierten Medizin ist auf die Physiotherapie, auf andere Gesundheitsberufe wie auch auf Pädagogik, Sozialarbeit etc. übertragbar, weswegen allgemeiner auch von Evidenzbasierter Praxis (EBP) gesprochen wird. Evidenzbasierte Praxis bedeutet, bei jeder Intervention danach zu fragen, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Intervention einen natürlichen Krankheits-, Genesungs- Rehabilitations- (usw.) -verlauf zum Günstigeren hin beeinflusst.

Evidenzbasierte Praxis ist gleichzeitig eine ethische Grundhaltung für die Praxis in der Medizin und allen anderen Gesundheitsberufen und eine Strategie für eine lebenslange selbständige Fortbildung.

Ethische Grundhaltung weil EBP darauf abzielt, jedem Patienten die individuell optimale medizinische (physiotherapeutische) Versorgung zu ermöglichen - im Gegensatz zu einer nicht hinterfragenden Schema-F-Medizin, oder einer Versorgung, die mit (früher einmal) gelerntem "Wissen" begründet wird.

Ethische Grundhaltung und Lernstrategie deshalb, weil es innerhalb der EBP eine Tugend und keine "Sünde" ist, Wissenslücken zu entdecken und durch systematische auf konkrete klinische Fragen zugeschnittene Recherchen anzugehen.

EBP reagiert damit auf den immer schnelleren Wissenszuwachs mit einer problemorientierten Selbstlernstrategie und führt zu einer verantwortlichen Entscheidungspolitik und zu einer bescheideneren Grundhaltung in den Gesundheitsprofessionen.

Als Lernstrategie besteht EBP aus den fünf Schritten

  1. Formulierung einer präzisen klinischen Fragestellung
  2. Suche nach externer Evidenz (Forschungsergebnisse)
  3. Kritische Bewertung der Forschungsergebnisse
  4. Integration der Forschungsergebnisse in das Clinical Reasoning
  5. Evaluation der Interventionsergebnisse (Outcomes)

 

Literatur

  • Antes G., Bassler D., Forster J. (2003) "Evidenz-basierte Medizin. Praxis-Handbuch für Verständnis und Anwendung der EBM". Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York
  • Cochrane A.L. (1972) "Effectiveness & Efficiency. Random Reflections on Health Services". The Rock Carling Fellowship 1971. The Royal Society of Medicine Press, London
  • Sackett D.L., Richardson W.S., Rosenberg W., Haynes B.W. (1999) "Evidenzbasierte Medizin. EBM-Umsetzung und Vermittlung". Deutsche Ausgabe: Kunz R., Fritsche L. (Hrsg.); W. Zuckschwerdt Verlag; Bern, Wien, New York

 

 siehe auch: Evidenz, PEDro, klinische Studie, Clinical Reasoning

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