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Repräsentativität

"Zusammenfassend kann man sagen, dass 'Repräsentativität' in der Forschungspraxis eher eine theoretische Zielvorgabe als ein Attribut konkreter Untersuchungen darstellt" (Bortz 2002). Diese Zielvorgabe lautet: Eine Stichprobe (und damit die Ergebnisse Studie) kann als stellvertretend für die Grundgesamtheit genommen werden, aus der sie entnommen wurde. D.h. die Zusammensetzung der Stichprobe und die Merkmale der Personen (Probanden) in der Stichprobe entsprechen der Verteilung dieser Merkmale bzw. der Zusammensetzung der Grundgesamtheit.

Unterschieden wird noch einmal in eine spezifische Repräsentativität (dies schränkt die Repräsentativität der Stichprobe auf die Merkmale ein, die im Sinne der Studie relevant sind) und eine globale Repräsentativität, bei "ihre Zusammensetzung in nahezu allen Merkmalen der Populationszusammensetzung entspricht" (Bortz 2002).

Die meisten klinischen Studien können weder eine globale noch eine spezifische Repräsentativität für sich in Anspruch nehmen. Allein schon deswegen, weil die meisten klinischen Studien letztlich auf ad-hoc-Stichproben zurückgreifen. Somit sind sie höchstens repräsentativ für die fiktiven Grundgesamtheiten, die man sich theoretisch vorstellen kann, die es aber in aller Regel so nicht gibt.

Eine große oder sogar sehr große Teilnehmerzahl an einer Studie ist leider keinerlei Hinweis darauf, dass Repräsentativität auch nur in der Tendenz erreicht wurde. Im Gegenteil: Wie die Prognosen und Hochrechnungen bei Wahlen zeigen, ist es durchaus möglich, mit sehr kleinen Stichproben Repräsentativität zu erzeugen (dies setzt aber entweder eine gelungene Zufallsauswahl aus einer Grundgesamtheit, oder wie im Fall der Wahlforschung, jahrzehntelange Erfahrung und genaue Kenntnisse der Sozialstrukturen voraus, um ein "Mini-Deutschland" aus einigen wenigen Wahllokalen zusammen zu setzen). Umgekehrt führt eine große Teilnehmerzahl nicht zu einer besseren Repräsentativität. Sie vergrößert u.U. nur den systematischen Fehler der Auswahl.

Grundsätzlich sollte man allen Studien, die von sich behaupten, "repräsentativ" zu sein, mit großer Vorsicht begegnen. In den meisten Fällen (Ausnahme: Wahlforschung) ist es auch gar nicht möglich, zu überprüfen, ob eine Repräsentativität erreicht wurde, da dies genaueste Kenntnisse über die Grundgesamtheit voraussetzte.

In aller Regel kann man, wenn man die theoretische Zielvorgabe "Repräsentativität" überhaupt anstrebt, sich durch die Anlage der Studie allenfalls bemühen zu verhindern, dass Repräsentativität von vornherein ausgeschlossen werden kann. Umgekehrt zu behaupten, es läge Repräsentativität vor, wäre für die meisten Studien wenig seriös und das Erreichen von Repräsentativität auch kaum belegbar.

Literatur

  • Bortz J., Döring N. (2002) "Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler". Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York; S. 400-406

 

siehe auch: Ad-hoc-Stichprobe, Grundgesamtheit, klinische Studie, Stichprobe

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