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Salutogenese/Salutologie

Lehre von der "Gesundwerdung" bzw. der gesundheitserhaltenden, -fördernden oder wiederherstellenden Faktoren.

Der Begriff der Salutogenese wurde von dem Medizinsoziologen Antonovsky geprägt und in der gesundheitswissenschaftlichen Diskussion etabliert. Vor dem Hintergrund der Verbrechen von Ausschwitz stellte sich Antonovsky der Frage, wie es möglich sein kann, nach der Erfahrung des Vernichtungslagers als Opfer zu einem "normalen" Leben zurückzufinden und dieses zu gestalten.

Das Konzept der Salutogenese bereicherte und ergänzte die medizinische und rehabilitationswissenschaftliche Sicht auf Gesundheit und Krankheit, Genesung bzw. Rehabilitation und ist ein wesentliches Element biopsychosozialer Modelle.

Im Zentrum steht der Begriff des "sense of coherence", mit dem ausgedrückt wird, dass es von der Fähigkeit oder Befähigung des Individuums, seine Erfahrungen und Erlebnisse in einen Sinnkontext zu stellen, abhängt, inwieweit er die Kraft hat, krankmachenden Faktoren stand zu halten, bzw. diese zu verarbeiten, ohne krank zu werden, bzw. im Krankheitsfall wieder zu gesunden.

Das Salutogenesekonzept wurde weiter entwickelt und ausdifferenziert. Es eröffnete eine neue Perspektive auf Gesundheit und Krankheit, indem nicht nur - wie in der klassischen Biomedizin - nach Diagnosen und pathogenen Faktoren gefragt wird, was auch als "Defizit-" oder Pathologieorientierung bezeichnet werden kann. Vielmehr wird der Blick ganzheitlich auf Gesundheit, auf individuelle Ressourcen und insbesondere auf psychosoziale Faktoren, die Gesundheit fördern (wie z.B. soziale Unterstützung, Fähigkeit zum nachhaltigen Umgang mit eigenen Ressourcen, Einstellungen zum Leben, Erfahrung des Lebens als durch die Person gestaltbar, ....) gelenkt.

Dies eröffnete auch eine neue Perspektive auf Medizin und andere therapeutische Berufe, wie z.B. die Physiotherapie, die traditionelle einseitig auf die Behandlung des (kranken) Körpers abstellen. Salutogenetisch gesehen, wären diese Maßnahmen zumindest zu ergänzen um Maßnahmen zur Förderung der psychosozialen Gesundheit.

Somit hat die salutogenetische Perspektive auch eine erhebliche Bedeutung für das Clinical Reasoning von Physiotherapeutinnen und -therapeuten und für das Berufsbild der Physiotherapie.

Literatur

  • Antonovsky A. (1997) "Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit". Deutsche Ausgabe: Franke A. (Hrsg.), dgvt, Tübingen

 

siehe auch: Physiotherapie, Physiotherapeutin, Clinical Reasoning

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